Stadtwerke Potsdam GmbH - Schwimmhalle Am Brauhausberg - Historie

Geschichte vom Bad Am Brauhausberg

Bau einer neuen Schwimmhalle

In den späten 1960er Jahren war das Werner-Alfred-Bad mit seinem ovalen Becken (216 qm Wasserfläche) das einzige nutzbare Hallen-Schwimmbad in Potsdam. Es gab zwar noch eine Schwimmhalle „Kirschallee“, aber die befand sich im Kasernengelände der sowjetischen Streitkräfte und war somit für die Potsdamer nicht zugänglich. Das Werner-Alfred-Bad platzte aus allen Nähten, der Schwimmunterricht der 3. und 5. Klassen konnte in Potsdam nicht mehr gewährleistet werden. Ost-Berliner Schwimmhallen waren aufgrund der Grenzsituation in akzeptabler Zeit nicht erreichbar. So wuchs in Potsdam der Ruf aus der Bevölkerung nach Freizeitmöglichkeiten.

1969 erfolgte am Brauhausberg der Baubeginn für das Projekt der „Sportbauten beim staatlichen Komitee für Körperkultur und Sport Leipzig“. Die Schwimmhalle wurde zeitgleich mit den Schwimmhallen in Rostock, Leipzig und Dresden errichtet. Kurze Zeit später wurden auch in Erfurt und Halle ähnliche Objekte gebaut.

Im Gegensatz zu diesen Städten sollte die Potsdamer Schwimmhalle der Bevölkerung zur breiten Nutzung übergeben werden und nicht nur für den Leistungssport zur Verfügung stehen. Leider reichten die zur Verfügung gestellten finanziellen Mittel nicht aus. Fehlende Leistungen wurden deshalb aus den Betrieben des Bezirks Potsdam über „Parteibeschluss“ abgefordert. Die Beschaffung technischer Anlagen konnte aus Toto-Mitteln (3 Mio. Mark) finanziert werden. Noch schwieriger sah es mit den fachlichen Voraussetzungen aus. Die am Bau beteiligten Betriebe betraten oftmals Neuland. Daraus begründen sich bis in die heutige Zeit zutage tretende Baumängel.

Dafür ein Beispiel: Bereits während des Baus wurden 6 – 7 Versuche unternommen, ein besonders dichtes Dach zu erhalten, das für die Hängedachkonstruktion notwendig war. Die Tragseile, an denen die ganze Konstruktion hängt, dürfen nicht korrodieren. Aber bereits 1988 lief so viel Regenwasser durch die Decke, dass man um die Tragwerkskonstruktion fürchten musste.

Viele fleißige Hände beteiligten sich am Aufbau. Aufgrund der Notsituation konnten viele zu freiwilligen Arbeitseinsätzen „verpflichtet“ werden, Spendenaktionen und die Bereitschaft großer und kleiner Betriebe zu so genannten „überplanmäßigen Leistungen“ folgten. Schulklassen, Jugendgruppen, Mitglieder von Sportvereinen, sportinteressierte Bürger, aber auch Soldaten der NVA und der Sowjetarmee beteiligten sich an der Baufreimachung des stark verwilderten Geländes am Brauhausberg. Vor der Eröffnung traten ganze Schulklassen mit Putzlappen und Eimern zu Reinigungsaktionen an.

Bild: Außenansicht Bad Am Brauhausberg

Einweihung und Rekorde

Die Schwimmhalle „Am Brauhausberg“ wurde zum „Tag der Republik“ am 07. Oktober 1971 feierlich eingeweiht. Die Schwimmhalle erfreute sich nun großer Beliebtheit. Das Nutzungskonzept der Stadt sah die Bereitstellung der Öffnungszeiten und Bahnen mit zwei Dritteln für die Bevölkerung einschließlich Schulschwimmen vor; die weitere Nutzung für Vereine, Institutionen und Wettkampfveranstaltungen.

Der jährliche Veranstaltungskalender sah eine ganze Reihe kleinerer und größerer Ereignisse vor: Kreis-, Bezirks- und DDR-Meisterschaften, Triathlon-, Sanssouci- und Pionierpokal, Kinder- und Jugendspartakiaden, Kreisprüfungswettkämpfe, Schwimmfeste, Mehrkampfmeisterschaften und Sportfeste.

Der Weltrekord der sowjetischen Brustschwimmerin Lina Kaciusyte 1979 begeisterte ebenso wie die Olympiavorbereitungen der DDR-Schwimmlegende Roland Matthes (1968 – 1972 vierfacher Olympiasieger). 1988 fanden hier die 39. DDR-Meisterschaften mit zahlreichen Weltbestleistungen und DDR-Rekorden statt.

Einen Besucherrekord verzeichnete die Schwimmhalle 1983: In diesem Jahr nutzten 506.000 Menschen die Schwimmhalle – eine für heutige Verhältnisse fast unglaubliche Zahl.

Auch nach der Wende wurde die Schwimmhalle für Wettkämpfe genutzt, z.B. fanden im Juni 1993 die 105. Meisterschaften im Sportschwimmen statt, u.a. mit den Schwimmstars Franziska van Almsick, Daniela Hunger und dem Potsdamer Jörg Hoffmann.

Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten

Von Mai 1991 – Mai 1992 wurden erste Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten durchgeführt. Vom Dach bis zur modernen Deckenkonstruktion, dem Einbau von Zeitsparduschen im Sanitärbereich, einer neuen Be- und Entlüftung und dem Einbau einer Chlorgas-Desinfektionsanlage bis hin zur behindertengerechten Gestaltung des Eingangs- und Garderobenbereiches reichten die Arbeiten. Von Juni – September 1993 folgten dann die Fußbodenheizung und die Neugestaltung des ganzen Umkleidebereiches, der Einbau eines neuen Kassensystems, die Neuverlegung von Rohrsystemen und die Erneuerung von Anlagenteilen zur Wasseraufbereitung. Fortführend wurden weitere Modernisierungsleistungen erbracht. Mit dem Übergang der Schwimmhalle in das Eigentum der Stadtwerke Potsdam GmbH ab Januar 2005 erfolgte auch eine Erneuerung des Zugangs- und Kassensystems.

In den Jahren 2006 und 2008/2009 musste das Bad zeitweise geschlossen werden, um sicherheitsrelevante Mängel an der Tragwerkskonstruktion zu beseitigen und den mittelfristigen Weiterbetrieb zu sichern.

Das neue Sport- und Freizeitbad am Brauhausberg

Ziel der Verhandlungen der Stadtwerke mit den Preisträgern des Realisierungswettbewerbes war es, den Vertrag mit demjenigen Generalplaner zu schließen, der das beste Gesamtpaket bietet. Der erste Spatenstich fand im Dezember 2014 statt. Ende 2016 werden die ersten Badegäste erwartet.

Unser neues Sport- und Freizeitbad wird ein 50-m-Sportbecken mit zehn Bahnen nach internationalen Standards für Wasserball und Schwimmen erhalten, mit integriertem Sprungbereich mit Ein- und Drei-Meter-Sprunganlage. Geplant sind ein Lehrschwimmbecken mit unterschiedlichen Tiefen, eine Zuschauertribüne sowie Freizeitelemente, z.B. ein familienfreundlicher Bade- und Wellnessbereich, Saunaangebot und Gastronomie.

Wesentliche Kriterien beim Realisierungswettbewerb waren: eine hohe Qualität an die architektonische und landschaftsarchitektonische Entwurfsplanung. Natürlich auch die Funktionalität, das Vorhandensein und die sinnvolle Verknüpfung aller geforderten Elemente für das Bad (Raumprogramm). Weiterhin die Wirtschaftlichkeit von Bau und Betrieb, die Nachhaltigkeit, die Energieeffizienz und die ökologischen Standards.

Die aktuellen News zum neuen Sport- und Freizeitbad blu finden Sie auf unserer Webseite.

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