Stadtwerke Potsdam GmbH - Geschichte der Entsorgung in Potsdam

Geschichte der Entsorgung in Potsdam

Vom Müllträger zum modernen Entsorgungsunternehmen

Die Stadtentsorgung Potsdam GmbH (STEP) wurde 1991 gegründet, doch was passierte vor dieser Zeit mit den Potsdamer Abfällen? Wir geben einen kurzen Rückblick in die Geschichte aus dem Mittelalter bis zur Entstehung der STEP.

Historische Karikatur der Entsorgung in Potsdam im Mittelalter

Der lange Weg zur Sauberkeit

Wohin mit dem Abfall? Ein uraltes Problem, das vor allem dort immer prekärer wurde, wo viele Menschen auf engem Raum zusammenlebten. Während menschliche Schöpferkraft die herrlichsten Kathedralen, Schlösser und Paläste entstehen ließ, interessierte sich kaum jemand für die Beseitigung des Mülls und der Fäkalien.
Die Folge: Dreck, Gestank, Krankheiten. Selbst Fürstenhöfe machten da keine Ausnahme. Es dauerte Jahrhunderte, bis sich die Einsicht durchsetzte, dass eine saubere Umwelt ein Stück Zivilisation ist und vom jeweiligen Stand der Kultur zeugt.

Im Mittelalter herrschten in Potsdam wüste Zustände. Einige Bewohner nutzten den Misthaufen des eigenen Grundstücks, wo der organische Unrat schnell verrottete und als Dünger verwendet wurde, andere schütteten dagegen, wann immer sie wollten, Abwässer, Fäkalien u.a . aus den Häusern auf die Straßen, wo diese dann sich selbst überlassen waren. Der brandenburgische Kurfürst Johann Georg verpflichtete 1583 per Erlass die Bürger, Höfe und Plätze sauber zu halten. Der Unrat auf Straßen und Gassen wurde dadurch aber verstärkt.

1587 wurde die Stadtreinigung erstmals urkundlich erwähnt.
Die Organisation der Stadtreinigung erfolgte durch den Scharfrichter, der mit seinen Gehilfen die Straßen so zu reinigen hatte, dass das Regenwasser ungehindert abfließen konnte. Dennoch: Während des Dreißigjährigen Krieges wurden die hygienischen Zustände so katastrophal, dass 1631 eine Pestepidemie ausbrach.
1660 wurde die Straßenreinigung in Potsdam zur Staatsangelegenheit, denn Kurfürst Friedrich Wilhelm machte das Havelstädtchen zur zweiten Residenz. Laut Brunnen- und Gassenordnung fuhr ein Gassenmeister mit einem Karren durch die Stadt, in den die Bürger ihren Dreck aufladen mussten. Der „Soldatenkönig” Friedrich Wilhelm I. ordnete an, dass das Militär die Straßenreinigung durch die Bürger zu bewachen habe.

Anfänge der Müllabfuhr in Potsdam mit dem Pferdefuhrwerk
Abfallsammlung mittels Pferdefuhrwerk

Entsorgung in Potsdam seit 1800

Das 19. Jahrhundert brachte auch in Potsdam viele Fortschritte bei der Entsorgung. Die Kanalisation wurde geschaffen und der Stadtkanal zumindest als Abwasserfänger entlastet. Vor den Häusern standen nun auch Mülltonnen und Müllmänner waren mit ihren Pferdefuhrwerken unterwegs.
Viele Probleme blieben jedoch. Das starke Bevölkerungswachs-
tum, der steigende Konsum von Gebrauchsgütern, sowie die Umstellung der Heizung von Holz auf Steinkohle sorgten für einen starken Anstieg des anfallenden Abfalls. Für eine ausreichende Hygiene auf den Straßen und um damit Seuchen vorzubeugen, wurde eine Stadtreinigung mit System aufgebaut.

Zeitgeschichtliche Anfänge der maschinellen Straßenreinigung
Eine der ersten mechanischen Kehrmaschinen



Die Müllabfuhr sammelte den Abfall schnell und sauber und transportierte ihn ab. Die Straßenreinigung sorgte für die Sauberhaltung des öffentlichen Raumes einschließlich des Winterdienstes. Auch die Kanalreinigung sowie die Fäkalien-
abfuhr wurden Aufgaben der Stadtreinigung.

Körperlich schwere Arbeit wurde früher oft durch Frauen verrichtet
Müllträgerinnen (Heinrich Zille)

Neue Gesetze leiten Fortschritt ein

Die katastrophalen hygienischen Bedingungen, allein in Preußen starben zwischen 1831 und 1871 etwa 380.000 Menschen an Cholera, führten zu gesetzlichen Regelungen. So war nun nach Polizeierlass die staubfreie und geruchsarme Abfuhr vorgeschrieben. Mechanische Kehrmaschinen, Spreng-
wagen, sowie Pferdepflüge reinigten das Straßennetz, die Kanalreinigung erfolgte durch Handarbeit.

1893 wurde das Kommunalabgabengesetz für Preußen beschlossen, so war
es möglich für städtische Dienstleistungen Gebühren einzufordern. Anschluss-
zwang und Organisation waren durch Ortsstatuten und Polizeiverordnungen geregelt. Angesichts immer größerer Abfallmengen wurden die Müllkästen größer und schwerer, das Entleeren zur harten Arbeit. Trotzdem waren dafür vielfach Frauen eingestellt.
Müllplätze in der Stadt und eine erste Deponie außerhalb wurden geschaffen.

Um die Jahrhundertwende nutzte man zwei Systeme zur Entsorgung – das Umleersystem, bei dem das volle Müllgefäß in einen Müllwagen entleert wird, sowie das Wechseltonnensystem, bei dem volle Müllgefäße gegen leere und saubere getauscht werden. Diese beiden Arten bestehen bis heute noch.

Bis in die 1920er Jahre hinein erfolgte die Müllabfuhr durch private Unternehmen, eine geordnete Müllabfuhr war diesen jedoch nicht möglich. Dann wurde das Entsorgen eine Angelegenheit der Kommune. Kürzere Wege, zuverlässige Abholungen und Ablademöglichkeiten sowie der vorhandene Verwaltungsapparat in der Stadt brachten große Vorteile. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung wurde die Industrialisierung das Ziel der Müllentsorgung. So erfolgte der Wechsel von der schmutzigen Handarbeit und dem Pferdebetrieb zur sauberen, technisierten und kostengünstigen Technik. Die Not machte erfinderisch: Während des zweiten Weltkrieges wurden Mülltrennung und Wiederverwertung praktiziert.

Bei Kriegsende waren Fuhrpark und Werkstätten der damaligen Stadtreinigung zu 75% zerstört und nur noch wenige Mitarbeiter da. Zusätzlich mussten die von den Bombardierungen hinterlassenen Schutt- und Müllmassen von den Straßen und Plätzen Potsdams beseitigt werden. Anfangs halfen auch elf Pferdegespanne bei der Müllabfuhr.

Chronologie

Die historische Entwicklung der Stadtentsorgung Potsdam GmbH als Chronologie.

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