Interview mit dem Geschäftsführer Peter Paffhausen
Energiewettbewerb, Umwelt und Engagement für die Stadt, das sind aktuelle Themen, die unsere Kunden interessieren.
Peter Paffhausen
, Geschäftsführer der STADTWERKE Potsdam GmbH (SWP) und der Energie und Wasser Potsdam GmbH (EWP), nimmt dazu Stellung.
• Wie positioniert sich die EWP im Wettbewerb?
Der Energiewettbewerb ist nicht so total neu, als dass wir uns völlig neu positionieren müssten. Es gibt ihn schon seit 1999. Seitdem steht die Strom-Dachmarke local energy auch in Potsdam für günstige Sonderverträge. Damit können preisbewusste Kunden zu einem günstigeren Preismodell wechseln, bleiben aber Kunde der EWP, einem der 23 Versorger, die local energy und ab 1. April 2007 auch local gas anbieten. Die Arbeit der Marke wird ständig optimiert.
• Wie ist die Resonanz auf dieses Angebot?
Das unabhängige „Strom-Magazin“ hat local energy im Dezember 2006 ausgezeichnet. Die Begründung: Der Verbund local energy schafft lokale Synergien, von denen die beteiligten Unternehmen und ihre Kunden profitieren. Dies sagte wohlgemerkt eine unabhängige Stelle. Die Resonanz der Kunden ist gut, wir haben nur sehr wenige Wechsler zu anderen Versorgern. Nach dem Erfolgsmodell vom Strom komplettieren wir jetzt unser local-Angebot mit einem Erdgasprodukt.
• Trotzdem schimpfen viele Leute über die Preise.
Ich kann das nachvollziehen. Die Beträge aus den Preiserhöhungen landen aber nicht bei uns, sondern bei den Vorlieferanten im In- und Ausland, die unsere Einkaufspreise bestimmen. Die EWP steuert durch interne Optimierung gegen. Derzeit gibt es aber eine gewisse Entspannung am Gasmarkt, die unsere Preissenkung im Allgemeinen Tarif ermöglicht hat. Zum anderen dienen die Gewinne bei der EWP, einem mehrheitlich städtischen Unternehmen, anderen Zwecken als bei einem rein privaten Energieunternehmen. Der EWP-Gewinn ist ein Gewinn für Potsdam, für die Potsdamer.
• Können Sie das etwas näher erläutern?
STADTWERKE dienen dem Ziel, kommunale Wirtschaftsunternehmen besser zusammenzufassen. In der Regel erwirtschaften Energieversorger positive Ergebnisse, mit denen die Kostendeckungslücke der Nahverkehrsunternehmen ausgeglichen werden. Solch eine Quersubventionierung gibt es auch zwischen EWP und ViP im Rahmen der STADTWERKE. Der Gewinn wird somit einem kommunalen Zweck, also dem öffentlichen Nahverkehr und damit der Allgemeinheit, zugeführt. STADTWERKE betreiben Daseinsvorsorge. Aber das ist nur ein Teil der Leistungen für Potsdam.
• Und was ist der andere Teil?
Die SWP-Unternehmen sind große Investoren und Steuerzahler. Sie schaffen und erhalten Beschäftigung in Handwerk und Gewerbe in der Region. Darüber hinaus sorgen die STADTWERKE – allen voran die EWP – als einer der größten Sponsoren in Potsdam mit für die Aufrechterhaltung der Arbeit von Sportvereinen, kulturellen Veranstaltungen, aber auch im sozialen Bereich. Wir haben darum nie so viel Wirbel gemacht. Vielleicht ist es ein Versäumnis, dass wir hier zu Lasten des Images falsche Bescheidenheit in der Darstellung unseres Engagements geübt haben. Andererseits sieht man auf vielen Plakaten und in den Sportarenen unsere Firmen-Logos.
• Was tun die Stadtwerke in Sachen Klimawandel?
Traditionell viel. In Potsdam wurde schon 1967 die erste Fernwärmeleitung verlegt. Heute, 40 Jahre später, sind rund 60 % der Haushalte angeschlossen. Durch die Fernwärmenutzung wird ein bedeutender Beitrag zur Senkung des Ausstoßes des Klimakillers CO2 geleistet. Mit jedem Anschluss an die Fernwärme vermindert sich die Anzahl der schadstoffabgebenden Kamine im Versorgungsgebiet. Im Heizkraftwerk Potsdam Süd produziert die EWP für ganz Potsdam aus Erdgas zugleich Strom und Fernwärme. Mit dem Verfahren der Kraft-Wärme-Kopplung wird ein hoher Ausnutzungsgrad der Primärenergie erzielt. Das ist einer der Hauptgründe dafür, dass die Luft in Potsdam im Vergleich zu anderen Städten so sauber ist. Um es ganz klar zu sagen: Wo andere erst hinwollen, sind wir schon seit über zehn Jahren. Dass die STEP erneuerbare Energien, nämlich Strom aus Deponiegasen, erzeugt, gehört ebenso dazu wie die Ausrüstung der Busflotte der ViP mit Rußpartikelfiltern und die Förderung von Erdgasautos durch die EWP.
• Wie steht es um die Versorgungssicherheit?
Die Versorgungssicherheit ist das höchste Gut. Sie liegt in Potsdam deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Im Schnitt hat jeder Deutsche 23 Minuten pro Jahr keinen Strom, der Potsdamer nur acht Minuten. In vielen Ländern mit stark liberalisierten Märkten sind es mehrere Stunden. Beim Wasser ist die Versorgungssicherheit auch sehr hoch, ein paar Probleme gibt es mit Rohrbrüchen in den neuen Ortsteilen. Nach rund 15 Monaten, die seit der Übernahme der Betriebsführung der Netze in den neuen Ortsteilen ins Land gegangen sind, haben wir aber schon sehr viel investiert. Wir wollen ein Versorgungsniveau erreichen, das dem von Alt-Potsdam entspricht. Mit sieben Prozent Wasserverlusten im Netz liegt Potsdam ebenfalls unter dem Bundesdurchschnitt.
• Im öffentlichen Blickpunkt stehen meist nur die großen Projekte wie der Brauhausberg. Bedauern Sie das?
Große Projekte haben immer zur Arbeit der STADTWERKE gehört, seien es der erfolgreiche Bau des Heizkraftwerkes 1995, der Betriebshöfe von STEP und ViP 1997 bzw. 2001 und umfangreiche Erschließungsarbeiten in den Netzen. Insofern ist Bedauern nicht der richtige Ausdruck. Wahr ist aber auch: Die Hauptarbeit des STADTWERKE-Verbundes sind nicht die spektakulären Highlights. Die rund 1.200 Mitarbeiter, Arbeiter, Angestellten und Führungskräfte bei EWP, STEP, ViP, BLP und EWD sowie in der Holding leisten täglich sehr umfangreiche Detailarbeit zur Versorgungssicherheit, zum Wohle der Potsdamerinnen und Potsdamer. Die meisten wohnen hier oder in der Region.
• Ist das der eigentliche Erfolgsfaktor?
Ja, die Nähe zum Kunden, die Greifbarkeit für den Kunden möchte ich hier unbedingt hervorheben. Und die Bündelung der Aktivitäten im Dienste der Kunden ist es, was die STADTWERKE ausmacht.


